Freiberuflich Ohne Gewerbe: Selbstständigkeit leicht gemacht

Rate this post

In Deutschland bietet die Arbeit als Freiberufler, auch “freiberufliche Tätigkeit” genannt, viele Vorteile wie flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten.

Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, ob Sie für Ihre Tätigkeit ein Gewerbe benötigen oder nicht.

Dieser Artikel richtet sich speziell an Personen, die in Deutschland freiberuflich tätig werden möchten, ohne ein Gewerbe anmelden zu müssen.

Freiberuflich Ohne Gewerbe

Was bedeutet “freiberuflich ohne Gewerbe” in Deutschland?

Zunächst ist es wichtig, den Unterschied zwischen einem Gewerbe und einer freiberuflichen Tätigkeit zu verstehen.

Ein Gewerbebetrieb übt eine gewerbliche Tätigkeit aus, die in der Regel der Gewinnerzielung dient und  der Gewerbeordnung unterliegt.

Freiberufler hingegen üben eine freie Berufstätigkeit aus, die auf die Anwendung besonderer fachlicher Kenntnisse und Fähigkeiten ausgerichtet ist. Sie unterliegen nicht der Gewerbeordnung, sondern dem Steuerrecht.

Ob eine Tätigkeit als freiberuflich ohne Gewerbe ausgeübt werden darf, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Grundsätzlich gilt: Wenn Ihr jährliches Einkommen aus der freiberuflichen Tätigkeit unterhalb der Übungsleiterfreibetrag-Grenze liegt, können Sie in der Regel freiberuflich tätig sein, ohne ein Gewerbe anmelden zu müssen.

der Übungsleiterfreibetrag-Grenze liegt aktuell (Stand: 2024) bei 3.000 Euro im Jahr.

Wer kann freiberuflich ohne Gewerbe arbeiten?

Es gibt eine Reihe von Tätigkeiten, die üblicherweise als freiberuflich ohne Gewerbe ausgeübt werden können.

Hier einige Beispiele:

Schriftsteller:innen und Journalist:innen

Übersetzer:innen

Dolmetscher:innen

Künstler:innen und Designer:innen

Musiker:innen und Schauspieler:innen

Lektor:innen und Redakteur:innen

Webdesigner:innen und Programmierer:innen (je nach Tätigkeit)

Berater:innen und Coaches (je nach Tätigkeit)

Wichtig: Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Im Zweifelsfall sollten Sie sich unbedingt von einem Steuerberater oder Rechtsanwalt beraten lassen, ob Ihre geplante Tätigkeit unter die Kategorie “freiberuflich ohne Gewerbe” fällt.

Voraussetzungen für die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe

Neben dem Einkommen unterhalb der Übungsleiterfreibetrag-Grenze gibt es weitere Voraussetzungen, die Sie erfüllen müssen, um als Freiberufler ohne Gewerbe tätig zu sein:

Fachliche Qualifikation: Ihre Tätigkeit muss auf einer besonderen fachlichen Qualifikation beruhen, die in der Regel durch eine abgeschlossene Ausbildung, ein Studium oder langjährige Berufserfahrung erworben wird.

Persönliche Leistungserbringung: Sie müssen Ihre Leistungen persönlich erbringen und dürfen keine Angestellten beschäftigen.

Keine Gewinnerzielungsabsicht: Ihre Tätigkeit darf nicht ausschließlich auf die Gewinnerzielung ausgerichtet sein. Im Vordergrund muss die Ausübung Ihrer fachlichen Qualifikation stehen.

Wichtig: Halten Sie unbedingt Aufzeichnungen über Ihre Einnahmen und Ausgaben fest. Diese Aufzeichnungen benötigen Sie zum einen für die Steuererklärung und zum anderen als Nachweis gegenüber dem Finanzamt, dass Sie die Voraussetzungen für die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe erfüllen.

Steuerliche Aspekte der Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe

Auch wenn Sie kein Gewerbe anmelden müssen, sind Sie als Freiberufler ohne Gewerbe dennoch steuerpflichtig. Sie müssen sich beim zuständigen Finanzamt registrieren und eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Dabei können Sie die Betriebsausgaben (z. B. Ausgaben für Bürobedarf, Software oder Fortbildungen) von Ihren Einnahmen abziehen, wodurch sich Ihr zu versteuerndes Einkommen verringert.

Wichtig: Informieren Sie sich rechtzeitig über die relevanten steuerlichen Regelungen und Pflichten. Je nach Einkommenshöhe kann es sinnvoll sein, sich von einem Steuerberater beraten zu lassen.

Vor- und Nachteile der Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe

Die Entscheidung, ob Sie als Freiberufler ohne Gewerbe tätig werden sollten, hängt von Ihren individuellen Umständen und Zielen ab.

Vorteile:

Geringerer Verwaltungsaufwand: Im Vergleich zur Gründung eines Gewerbes ist der Verwaltungsaufwand bei der Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe deutlich geringer. Sie müssen kein Gewerbe anmelden und keine Gewerbesteuer zahlen.

Flexibilität: Sie können Ihre Arbeitszeit und Ihren Arbeitsort frei gestalten und genießen somit ein hohes Maß an Flexibilität.

Geringere Steuerbelastung (potenziell): Abhängig von Ihrem Einkommen kann die Steuerbelastung als Freiberufler ohne Gewerbe geringer sein als bei Gewerbetreibenden. Dies liegt unter anderem daran, dass Sie keine Gewerbesteuer zahlen müssen.

Nachteile:

Einkommensgrenze: Ihr Einkommen ist durch die Übungsleiterfreibetrag-Grenze beschränkt. Wenn Sie ein höheres Einkommen erzielen möchten, müssen Sie ein Gewerbe anmelden.

Soziale Absicherung: Als Freiberufler ohne Gewerbe sind Sie nicht gesetzlich krankenversichert und haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sie müssen sich daher selbstständig krankenversichern und können sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichern.

Höhere Eigenverantwortung: Sie sind für die Abführung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sowie die Meldung Ihrer Einkünfte an das Finanzamt selbst verantwortlich.

Ist die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe für Sie geeignet?

Nachdem Sie nun die grundlegenden Informationen zur Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe kennen, können Sie besser beurteilen, ob diese Form der Selbstständigkeit für Sie geeignet ist.

Folgende Faktoren sollten Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen:

Ihr geplantes Einkommen: Wenn Sie ein höheres Einkommen als die Übungsleiterfreibetrag-Grenze erzielen möchten, ist die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe nicht möglich.

Ihre soziale Absicherung: Sind Ihnen eine gesetzliche Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung wichtig, sollten Sie sich über die Möglichkeiten der freiwilligen Versicherung informieren.

Ihre Risikobereitschaft: Als Freiberufler ohne Gewerbe tragen Sie ein höheres Risiko, da Sie für Ihre soziale Absicherung und die Abführung von Steuern selbst verantwortlich sind.

Ihre administrativen Fähigkeiten: Sind Sie vertraut mit steuerlichen Angelegenheiten und der Führung von Aufzeichnungen?

Tipp: Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Steuerberater oder Rechtsanwalt beraten. Diese können Ihnen eine auf Ihre individuelle Situation zugeschnittene Einschätzung geben.

Fazit:

Die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe bietet Freiberuflern mit einem geringeren Einkommen die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten und dabei von einem geringeren Verwaltungsaufwand zu profitieren.

Wichtig: Bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, sollten Sie sich jedoch umfassend informieren und die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen.

Für weitere Informationen und konkrete Fragen wenden Sie sich an das zuständige Finanzamt, einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Häufig gestellte Fragen

1. Muss ich mich beim Finanzamt melden, wenn ich freiberuflich ohne Gewerbe tätig bin?

Ja, auch als Freiberufler ohne Gewerbe müssen Sie sich beim zuständigen Finanzamt registrieren und eine Einkommensteuererklärung abgeben.

2. Kann ich auch nebenberuflich freiberuflich tätig sein?

Ja, die Tätigkeit als Freiberufler ohne Gewerbe ist auch neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung möglich.

3. Muss ich als freiberuflich Tätiger ohne Gewerbe eine Rechnung mit Umsatzsteuer ausstellen?

Nein, solange Ihr Jahresumsatz unter der Kleinunternehmerregelung-Grenze liegt (aktuell 22.000 Euro), müssen Sie keine Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen ausweisen.

4. Was passiert, wenn mein Einkommen aus der freiberuflichen Tätigkeit die Übungsleiterfreibetrag-Grenze überschreitet?

In diesem Fall müssen Sie ein Gewerbe anmelden. Vergessen Sie nicht, sich rechtzeitig beim Finanzamt umzu melden und die Gewerbesteuer zu berücksichtigen.

5. Wo finde ich weitere Informationen zur Tätigkeit als freiberuflich Tätiger ohne Gewerbe?

Bundesministerium der Finanzen: https://www.bundesfinanzministerium.de/

Bundeszentrale für Steuern: https://www.bzst.de/

IHK (Industrie- und Handelskammern): https://www.dihk.de/de

Wichtig: Die Informationen in diesem Blogbeitrag stellen keine Steuerberatung dar. Lassen Sie sich bei konkreten Fragen im Einzelfall von einem Steuerberater oder Rechtsanwalt beraten.